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HIV «Elite controllers»: wie kontrollieren sie das Virus?



Das Phänomen ist selten:

Bei weniger als 0,5% der HIV-Infizierten findet sich ohne Behandlung mit HIV-Medikamenten kein Nachweis von HI-Viruslast im Blut, die Helferzellen sind auf normalem Niveau stabil. Solche Personen werden «elite controllers» genannt. Dabei kann die spontane HIV-Kontrolle über Jahre anhalten.

Wie ist das zu erklären?

Bei der HIV-Infektion schleust das Virus seine Erbinformation in befallene Zellen ein. Dabei wird die HIV-Erbinformation in verschiedenen Arealen eingebaut. Ist ein Areal mit viel Aktivität und häufiger Ablesung der Erbinformation befallen, kann auch die HIV-Information vermehrt weitergegeben werden. Diese vermehrte Aktivität ruft aber auch körpereigene Abwehrmechanismen auf den Plan. Diese scheinen bei «elite controllers» besonders effizient zu sein wirken; das kann die spontane HIV-Kontrolle über Jahre erklären.
 
Die HIV-Erbinformation wird aber auch in Arealen eingebaut, die wenig Aktivität zeigen, z.B. weil sie in repetitiven, selten abgelesenen DNA-Bereichen liegen, durch viel Protein- «Packmaterial» unzugänglich sind oder aktiv gegen Transkription geschützt werden. Dort kann HIV-Information lange überdauern und auch durch ein überaus aktives Immunsystem nicht aufgespürt werden. Das würde erklären, warum auch bei «elite controllers» die HIV-Information nicht verschwunden ist.

Diese (äusserst vereinfachte) Erklärung wird durch eine aktuell in der Online-Version von «Nature» erschienene Studie gestützt. Dort wurden detaillierte Analysen von Genabschnitten bei «elite controllers» und bei anderen HIV-Infizierten durchgeführt. Es zeigte sich, dass bei «elite controllers» Genabschnitte mit HIV-Information deutlich häufiger in Bereichen der Erbinformation zu finden sind, in denen weniger Informationsweitergabe stattfindet.

Dies erklärt zwar nicht, warum eine Person «elite controller» ist und viele, viele andere nicht. Aber all diese Wissensbausteine helfen im Verständnis der Infektion.  

Jiang; Online-Ausgabe von «Nature», 26. August 2020 https://www.nature.com/articles/s41586-020-2651-8

In der gleichen Ausgabe: Editorial zum Artikel, mit ausführlichen Erklärungen:
N. Chomont, https://www.nature.com/articles/d41586-020-02438-7