Die PrEP-Einführung in der Schweiz fiel in eine Zeit steigender Infektionszahlen von Gonokokken und Chlamydien in der schwulen Community (1). Um eine weitere Zunahme zu verhindern, wurden bei PrEP-Usern dreimonatliche Gonokokken- und Chlamydientests empfohlen (Start 1/2016 (2), (3)). Dies erfolgte auch in zahlreichen anderen Ländern (4-7). Eine Überprüfung dieser Massnahme im Rahmen einer Studie war nirgends vorausgegangen (4-7). 

Zusätzlich erfolgten oft weitere Gonokokken- und Chlamydientests bei zwischenzeitlichen Symptomen, Erregernachweis bei Sexpartnern oder Kampagnen. Antibiotische Behandlungen wurden zuverlässig durchgeführt, mit Stopp der Infektiosität nach einer Woche. Dennoch blieb ein Rückgang der Gonokokken- und Chlamydienzahlen aus (4-6,*). Ein Grund könnte sein, dass durch die antibiotische Behandlung eine schützende Immunantwort verhindert wird (4,6,8). Ein weiterer Grund ist die hohe sexuelle Vernetzung in der schwulen Community (4,5,6); eine massiv intensivierte Suche hätte die Fallzahlen absenken können (6, 8) – doch ausgeweiteter Antibiotikaeinsatz hat das Risiko, Antibiotikaresistenzen weiter anzukurbeln, und diese sind in der schwulen Community bereits verstärkt vorhanden (4,6,7). 

Gonokokken- und Chlamydieninfektionen machen in bis zu 90% keine Symptome (Infektionen an Rachen, Penis und Anus zusammengenommen) (6). Bei Männern werden bei asymptomatischen Infektionen nahezu nie Komplikationen gesehen (6). Ohne antibiotische Behandlung heilen Gonokokken- und Chlamydieninfektionen nach bis zu sechs Monaten spontan aus (6,8). 

Neu führen mehrere europäische Länder Test auf Gonokokken/Chlamydien in der schwulen Community nur noch bei Vorhandensein von Symptomen durch. 
Den Anfang machte 2023 Belgien. Nach zwei Jahren blieb die Zahl symptomatischer Erkrankungen unverändert (9), obwohl die asymptomatischen Fälle nicht behandelt wurden und damit infektiös blieben. Im weiteren Verlauf fand sich sogar ein Rückgang von Antibiotikaresistenzen bei einzelnen in der schwulen Community häufigen Erregern (9). 

Mittlerweile wurde die belgische Strategie von Dänemark, Deutschland und Österreich übernommen bzw. in die Guidelines aufgenommen; und sie formt die aktuellen europäischen Chlamydien-Guidelines (10).

Am Checkin the city werden wir häufig von Klienten auf diese Strategieänderung im Ausland angesprochen. Das Interesse ist gross, auch aufgrund von Schweizer Berichten über steigende Gonokokken- und Chlamydienzahlen und Klientenerfahrungen mit asymptomatischen Infektionen.

Wir begrüssen den Verzicht auf Testung asymptomatischer Gonokkokken- und Chlamydieninfektionen. Wir weisen darauf hin, dass dies strikt auf die schwule Community begrenzt ist und dass es noch keine Schweizer Stellungnahme zu dieser Thematik gibt. 

Selbstverständlich kann es auch Ausnahmen zur Nichttestung geben, beispielsweise um eine Pingpong-Infektion nach vorheriger mühsamer Gonokokken- oder Chlamydieninfektion des Sexpartners zu vermeiden. 

  1. BAG-Bulletin 44/25
  2. BAG-Bulletin 4/16
  3. BAG: Referenzdokument KLV zur HIV-Präexpositionsprophylaxe vom 11. März 2024
  4. Kenyon C Int J STD AIDS 2022
  5. Tsoumanis Sex Transm Dis 2018
  6. Kenyon Lancet Reg Health Eur 2023
  7. Vanbaelen Lancet HIV 2024
  8. Marcus PLoS One 2021
  9. Vanbaelen Lancet Microbe 2026
  10. White Int J HIV AIDS 2025

*In der Schweiz hatte sich zwar ein Rückgang der Fallzahlen innerhalb der Swiss PrEPared-Kohorte gezeigt (Hovaguimian HIV Med 2024), aber kein genereller Rückgang in der schwulen Community (1)